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Wandel

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Wenn ich eine Sache bei der Bundeswehr sehr schätze, dann sind das Veranstaltungen im Rahmen der politischen Bildung. Das regelmäßige auseinandersetzen mit politischen und gesellschaftlichen Themen schärft immer wieder den Blick und führt oft zu Orten zu denen man sonst eher nicht hingeht.
Letzte Woche stand eine dreitägige Exkursion ins Ruhrgebiet an. Thema „Strukturwandel im Ruhrgebiet“.

Für mich weniger eine Exkursion, da ich da wohne. Ich bin nicht im Pott geboren, bin ein „Zugezogener“, eher durch Zufall, weil es sich einfach so ergeben hat. Und irgendwie bin ich hier hängen geblieben. Sechzehn Jahre lebe ich nun in dieser ständig sich verändernden Welt an der Ruhr. Als Kind in meiner sauerländischen Heimat saß ich vor dem Fernseher und sah im Fernsehen viel vom Zechensterben und vom Ende der Kohle. Ich sah auf der Mattscheibe Proteste von Stahlarbeitern, die gegen ihre drohende Arbeitslosigkeit kämpften, und Bergmänner mit gesenktem Blick, wenn auf eine Zeche der Deckel drauf kam. Was das alles bedeutet war mir damals alles andere als klar.

Erst als ich selbst hier hin gezogen bin, habe ich diesen Strukturwandel in vielen Formen miterleben können. Nachbarn, die früher auf dem Pott malocht haben, erzählten mir von der Kameradschaft unter Tage, ich lernte die Trinkhallenkultur sehr zu schätzen, und ich kann immer noch zusehen wie die Städte sich hier verändern von Industriestandorten zu modernen Wohngebieten oder gar Naherholungsgebieten mitten in der Stadt.
Als ich nach Dortmund zog konnte ich die Entstehung des Phönixes-Geländes live mitverfolgen. Das stillgelegte Stahlwerk hat „der Chinese“ abgebaut und in China wieder zusammengebaut, und nun ist da ein See, der sich jeden Tag über zahlreiche Besucher freut. Deutlicher kann man Strukturwandel nicht sehen.

Das eine ist der äußerliche Wandel. Etwas anderes ist der Wandel in der Gesellschaft, bei den Menschen, die hier leben. Ich glaube für die betroffenen Arbeiter in der Stahl- und Kohleindustrie war und ist dieser Wandel alles andere als einfach. Mir steht es auch wirklich nicht zu darüber ein Urteil zu fällen ob das funktioniert oder nicht. Ich lebe mit meinem Job auf einer Insel der Glückseligkeit und war nie im Zugzwang als Stahlarbeiter oder Bergmann mich umorientieren zu müssen.

Allerdings finde ich, dass die Ehrlichkeit und die Hilfsbereitschaft aus dem ehemaligen Bergbau hier im Ruhrgebiet immer noch stark vorhanden ist. Man kann vielleicht die Art der Unternehmen in einer Region verändern, aber nicht die Menschen, die dort leben. Dieser Schlag Mensch ist es auch, der dafür gesorgt hat, dass ich hier hängen geblieben bin und sozusagen eine neue Heimat gefunden habe.

Bei der dreitägigen Bildungsveranstaltung treffen wir auf Menschen, die von diesem Wandel betroffen waren bzw, sind. Ein ehemaliger Bergmann führt uns durch das Bergbaumuseum in Bochum, ein AuZiBi des Hafenmanagements in Duisburg führt uns durch den Hafen, ein ehemaliger Opelmitarbeiter zeigt uns seine Stadt Bochum, ein Historiker führt uns über die Zeche Zollverein in Essen. Als Ingenieur war ich natürlich auch begeistert vom Walzwerk Thyssen Steel. Ein bisschen Stahlbau gibt es ja dann doch noch in dieser Gegend. Am Ende gibt es noch einen Einblick in die tägliche Arbeit der Wasserschutzpolizei in Duisburg.

In diesen drei Tagen ist mir das Ruhrgebiet wieder ein Stück näher gekommen, teilweise auch mit Bildern und Erzählungen, die ich trotz meines langen Wohnsitzes hier, noch gar nicht kannte. Und einmal mehr bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich gerne hier lebe und ich die Menschen hier besonders gerne mag.

Zeche Zollverein in Essen. Vom Dach aus kann man weit in das Ruhrgebiet hineinsehen.
Kunst oder wie?
Anschauungsbergwerk im Bergbaumuseum in Bochum.
Verkehrskontrolle auf Rhein und Ruhr und anderen Wasserstraßen in NRW. Die Wasserschutzpolizei gewährte einen spannenden Einblick.

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