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Von der Kasse nach Schottland

Von der Kasse nach Schottland published on 3 Kommentare zu Von der Kasse nach Schottland

Es ist nicht so, dass ich ungern einkaufen gehe. Aber es steht auf meiner „Macht-mir-Freude-Liste“ auch nicht gerade auf Platz eins. Sagen wir es ist ein notwendiges Übel, das ich akzeptiere. Daher mache ich mir vor dem Einkauf eine generalstabsmäßig geplante Einkaufsliste, die ich dann im Supermarkt schnell und zügig abarbeite, ohne mich von den umfangreich gestellten Präsentationsfallen, die sich findige Einkaufswissenschaftler und Marketingleute ausgedacht haben, überlisten zu lassen.

Heute lief der Einkaufsprozess inklusive Auflegen der Waren auf das Kassenband absolut reibungslos. Bis hierher. Aber dann folgten die Prozesse „Waren scannen“ durch die Kassiererin und „Waren sortiert in den Einkaufswagen zurücklegen“ durch mich.

Bisher habe ich Kassiererinnen in zwei Typen aufgeteilt.

Die Turbokasiererin: Die Waren fliegen nur so über den Scanner. Ohne Rücksicht auf Verluste wird das bereits gescannte Warensortiment über die Theke gedrückt, egal ob der Kunde mit dem Einpacken hinterher kommt oder nicht. Egal ob der Joghurtbecher zerplatzt oder nicht. Ich nehme diese Herausforderung immer gerne an, denn es kommt meiner auf Zügigkeit angelegten Einkaufsstrategie entgegen.

Die Zeitlupenkassiererin: Sie hat grundsätzlich Zeit. Das Scannen der Waren geht zeitweise so langsam voran, dass man sich zwischendurch ohne Probleme noch rasieren und anschließend seine Maniküre erledigen kann. Böse Blicke und laute Seufzer bringen sie keinesfalls aus der Ruhe, verlangsamen eher noch das Tempo, auch wenn sich die Schlange an der Kasse bereits bis zur Käsetheke im rückwärtigen Bereich schlängelt.

Heute habe ich einen dritten Typ entdeckt: Die Schwatztante.

Sie scannt die ersten zwei Teile *piep* *piep*, plötzlich taucht neben ihr auf der anderen Seite der Kasse aus dem Nichts eine weitere Frau, eine Schwatztantenkollegin auf.
Das Warenband stoppt.

„Ach Du bisset. Schönen Feierabend, woll!“
„Näää, nix Feierabend. Urlaub! Wollte noch schnell Tschüsskes sagen.“

Ganz abwesend schiebt Schwatztante 1 deutlich verlangsamt das nächste Teil über den Kassenscanner *piep* das Waschmittel wandert in meinen Einkaufswagen.

Stillstand.

„Näää, woll!?! DU hasses gut! Und ich sitz hier und muss malloooochen!“
„Komm hör auf! Du bis doch letzte Woche ers vonne Nordsee zurück!“
„Ja, abba da war et Wetter schlecht, woll. Dat gilt nich.“

*piep*der Käse wandert in meinen Einkaufswagen.

Stillstand.
Und ich frage mich ob aus dem jungen Gouda heute noch ein mittelalter wird …

„Hömma, wo geht et denn hin? Nimmse Deinen neuen Lover mit?“
*grinst angeberisch* „Et geht nach Schottland. Und nix Camping, er hat en ganz schniekes Hotel gebucht“
„Näääää!“
„Doch! Da inne Hauptstadt von denen! Eddingburg, oder wie dat heißt.“
„Näääää!“
*breites Grinsen*

Ich denke, wenn die noch breiter grinst, fällt ihr der Kopf vom Hals. „Edinburgh. E.D.I.N.B.U.R.G.H, so heißt die Stadt, EDDING ist der dicke Filzstift.“, höre ich mich sagen, doch mein Einwand wird ignoriert.

„Hömma, schickse aber zwischendurch ma schöne Fottos, woll. Hat die Giesela vonne Malediven auch gemacht. Dann hammwa inne Pause wat zu kucken, woll.“

*piep* Das Lachsfilet.
Gedanklich philosophiere ich darüber wie lange seine Kühlkette ohne merklichen Qualitätsverlust wohl unterbrochen werden darf.

Anschließend tauschen die beiden gefühlt die Urlaubserlebnisse der letzten 20 Jahre aus. Wo man am besten einen Flug bucht, wie man wo welche Lebensmittel in anderen Ländern besser nicht essen sollte, inklusive detaillierten Beschreibungen darüber was passiert wenn man diese Regel missachtet …. Formen, Farben…. ALLES.

*piep* Eine Packung Schokolade.
*piep* Ein Joghurtbecher.

Stillstand.

Es folgt eine rege Diskussion über Wettervorhersagen in Schottland und ob Linksverkehr für eine mittelbegabte Kassiererin aus dem Ruhrgebiet eine lösbare Aufgabe ist.

Nach einer gefühlten Stunde schweife ich gerade mit meinen Gedanken fern ab in eigenen Urlaubserinnerungen, als es mich plötzlich von schräg vorne anbellt:

„HAAAAALLO! Hundertvier Fuffzich macht dat! Hammse Päh-bäck?“

„Äh … nein. Kein Payback.“

Ich nehme mein Wechselgeld entgegen und schiebe mein Einkaufswägelchen in Richtung Ausgang.

„Edinburgh….“, murmel ich in mich hinein, „da könnte ich eigentlich auch mal hin.“

Glück? Moment mal!

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Frau Nessy hat etwas sehr schönes über Glück geschrieben.
Als jemand, der immer dachte, dass man sich Glück erarbeiten kann, stimme ich ihr in vielen Punkten zu.

Inzwischen glaube ich, die ständige Suche nach Glück macht uns bekloppt. Blöd ist es, wenn wir unser Glück bei anderen suchen, oder schlimmer noch, andere für unser Glück verantwortlich machen. Ich habe mich oft gefragt was dieses Glück eigentlich ist. So wie Frau Nessy es schreibt, dachte auch ich immer, ich muss es genau kennen, um es finden zu können.
Ich glaube Glück gibt es nicht. Man braucht sowas auch nicht. Ich glaube auch, dass die Kunst ist, einfach in dem Moment zu leben, in dem man sich gerade befindet.

Was hilft uns die Vergangenheit? Klar können wir gelegentlich aus ihr lernen, aber ändern können wir sie nicht. Und die Weisheit, dass man aus der Vergangeheit lernen kann, findet auch schnell ihre Grenzen. Denn wer sagt uns, dass das was in der Vergangenheit noch richtig war, in der neuen Situation genauso anwendbar ist?

Und was ist mit der Zukunft? Klar kann man hoffen. Aber beeinflussen können wir sie nicht. Natürlich können wir eine Rentenversicherung abschließen. Wenn wir die abschließen und im hohen Alter die Mücken auf der hohen Kante haben, dann unterscheiden wir uns im Altenheim bei der Pflege von unserem Zimmergenossen nur dadurch, dass er seine Pflegeleistungen aus den gesetzlichen Sozialversicherungen bekommt, und wir die Pflege aus unserer eigenen Tasche bezahlen, weil wir doch genug angespart haben.

Sind Kinder Glück? Vielleicht für diejenigen, die Schwierigkeiten hatten beim Kinder zeugen, weil es schlussendlich doch noch geklappt hat. Ansonsten ist das wohl eher ein ganz natürlicher Vorgang. Aber jeden Moment mit seinem Kind genießen können, ohne dabei an gestern oder morgen zu denken, das ist schon eher etwas, das ich als Glück bezeichnen könnte. O.K. Diese Momente wo man sein vollgekotztes und vollgeschissenes Kind mit einem Dampfstrahler reinigen muss, die meine ich eher weniger … 😉

Indem wir uns ständig über die Vergangenheit grämen und uns Gedanken darüber machen ob die Zukunft so gut wird, wie wir es gerne hätten, verplempern wir viel von unserer Zeit. Und wenn wir den Rest noch damit verbringen nach unserem Glück zu suchen, verpassen wir das eigentliche Leben.

Ja ich weiß, all das ist leichter gesagt als getan. Aber anstatt nach meinem Glück zu suchen, nutze ich die Zeit neuerdings lieber, um den Moment zu leben, oder es zumindest zu versuchen.

Oder wie Harald Juhnke es trefflich formuliert hat:

„Meine Definition von Glück?
Keine Termine und leicht einen sitzen.“

Warum eigentlich nicht?

Warum eigentlich nicht? published on 3 Kommentare zu Warum eigentlich nicht?

„Warum bloggst Du eigentlich nicht?“
Gute Frage. Aber jetzt stand genau diese Frage in dieser E-Mail.
Es ist lange her, da habe ich schon mal so ein Blogdings gemacht. Störgröße – Anglerlatein des Lebens hieß der. Es hat damals viel Spaß gemacht. Warum ich damit aufgehört habe weiß ich eigentlich nicht. Irgendwie hatte ich nichts mehr zu sagen.
Aber einmal im Jahr, am Ende, da sage ich was. Ich stöbere durch mein E-Mail-Adressen-Verzeichnis und schreibe eine Mail an alle und über alle und was ich und die Adressaten gemeinsam im ablaufenden Jahr erlebt haben.
Und dann drücke ich auf Senden.
Eine Spam-Mail. Inzwischen mit Tradition.

Unter den Antworten dann diese eine Mail mit eben jener Frage: „Warum bloggst Du eigentlich nicht?“.

Ja. Warum eigentlich nicht?

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