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@GJ_RLP Warum ich gerne Flagge zeige

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Liebe Grüne Jugend in Rheinland-Pfalz,

nach diesem Shitstorm über Euch habe ich lange überlegt, ob ich auch noch meinen Senf dazugeben soll. Aber weil mir diese Flagge, die Ihr runter nehmen wollt, sehr viel bedeutet, kann ich an dieser Stelle doch nicht meinen Mund halten.

Ihr schreibt auf Eurer Facebookseite:

„Nationalismus ist eine Form von Patriotismus. Wer sich als patriotisch definiert, grenzt Andere aus. Die Wirkung von Patriotismus hat immerzu Konsequenzen und wird besonders dort deutlich, wo er sich als aggressive Form darstellt und das Andere als Feind stigmatisiert. Zur Fußballeuropameisterschaft fordern wir alle Fans dazu auf, nationalistischem Gedankengut keinen Raum zu lassen! Fußballfans Fahnen runter!“

Später begründet Ihr das noch damit, dass es nachweislich aufgrund von sogenanntem „Partypatriotismus“ signifikant mehr fremdenfeindliche Übergriffe gibt als sonst. Ich kann weder diese Aussage noch das Gegenteil beweisen, ich glaube Euch das einfach mal. Und ich unterstelle Euch, dass Euer Post auf Facebook durchaus in guter Absicht online ging.
Aber irgendwie habt Ihr das nicht ganz zu ende gedacht.

Wie zu Beginn schon erwähnt, verbinde ich mit unserer Nationalflagge etwas mehr als nur Fußball. Vor etwa Zwanzig Jahren habe ich unter einer solchen Flagge mit erhobener rechter Hand gestanden und einen Eid abgelegt. Ich habe damals geschworen meinem Land treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Sogar die religiöse Beteuerungsformel „So wahr mit Gott helfe“ habe ich damals mitgesprochen (Was ich heute allerdings nicht mehr machen würde. Aber das ist eine andere Geschichte).
Das hört sich tatsächlich sehr patriotisch an. Angefühlt hat es sich damals irgendwie anders. Was es im wirklichen Leben als Soldat bedeutet habe ich erst sehr viel später erfahren.

Seit diesem Eid gehe ich nun jeden Morgen unter einer Flagge vorbei zum Dienst und trage dieses Symbol als Hoheitsabzeichen jeden Tag auf meiner Uniform. Und ich trage dieses Symbol mit Stolz. Ich trage es deshalb mit Stolz, weil es für ein Land steht, in dem ich das große Glück hatte, geboren zu werden. Weil es in diesem Land eine Demokratie gibt, die Beispielgebend ist. In dieser Demokratie konnte ich in Freiheit aufwachsen, konnte und kann immer noch frei meine Meinung äußern, so wie jetzt, so wie Ihr auf Eurer Facebookseite. Dieses Land hat mir Toleranz, Rücksicht und Offenheit beigebracht. Darauf bin ich stolz. Und diese Demokratie hält sehr viel aus, sogar die AfD und die derzeit populäre braune Stimmung wird sie überleben. Da bin ich mir Sicher. All das verbinde ich mit Schwarz-Rot-Gold.

Ich habe diese Flagge sogar bereits in einem Auslandseinsatz getragen. Einen Einsatz, den Eure grüne Partei damals selbst mit abgesegnet hat. Ich habe erlebt, wie sich afghanische Kinder gefreut haben wenn eine deutsche Flagge auf dem Fahrzeug war, weil sie daran die Soldaten erkannten, die sie mochten. Diese Kinder haben mit dieser Flagge etwas Positives verbunden.
Ich habe diese Flagge auch getauscht. Gegen andere Flaggen und Abzeichen mit Kameraden aus anderen Nationen. In einem multinationalen Einsatzstab ist das an der Tagesordnung. Mein Chef war ein Niederländer. Meine Team-Kameraden kamen aus Estland und Italien. Meinen Unterkunftscontainer habe ich mir mit einem Offizier aus Südkorea geteilt. Jeder war stolz auf seine Nation und auf die eigene Flagge und die eigenen Hoheitsabzeichen. Wir haben uns gegenseitig von den Schönheiten unseres Landes erzählt, haben uns aber auch gegenseitig neugierig zugehört was der jeweils andere zu berichten hatte. Wir haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede feststellen können. Was man bei dem Einen gut fand, fand man bei dem Anderen vielleicht schlecht. Aber unterm Strich blieb am Ende des Tages immer die Feststellung: Wir gehören zusammen. Wäre das ohne Patriotismus möglich gewesen? Meiner Ansicht nach nicht. In diesem Fall hat der Patriotismus niemanden ausgegrenzt. Eher im Gegenteil, er hat uns zusammengebracht.

Ich kenne auch Momente, in denen der Anblick unserer Flagge Wut, Angst und Traurigkeit auslöst. Nämlich dann, wenn sie über einen Sarg gelegt wird.

Nun sagt Ihr sicher: „Da lest was er schreibt! Er ist ja wohl voll der Patriot!“
Ja. Bin ich. Mit meinem Patriotismus verbinde ich aber weniger meine nationale Zugehörigkeit. Für mich bedeutet Patriotismus meine Verankerung in den Grund- und Menschenrechten. Ich definiere mich als patriotisch, weil ich mich klar zur Menschenwürde und zu unserem Rechtsstaat bekenne. Dafür habe ich meinen Eid abgelegt. Das bedeutet für mich Schwarz-Rot-Gold.

Patriotismus ist nicht immer gleich Nationalismus. In dem Punkt liegt Ihr mit Eurer Aussage falsch.

Aber eigentlich ging es doch um Sport, bzw. Fußball. Seit jeher treten alle Nationen auf der Welt in Sportwettkämpfen gegeneinander an. Friedlich. Ohne Gewalt. Im fairen Wettkampf misst man sich und schaut wer der Bessere ist. Natürlich ist ein Sportler enttäuscht wenn er verliert und der andere gewinnt. Aber am Ende gibt man sich die Hand oder liegt sich in den Armen. Ist das patriotisch?

Am Ende dieser großen Sportereignisse sehe ich mir immer gerne die Abschlussveranstaltung an. Zum Beispiel bei den Olympischen Spielen. Alle Nationen sind dort vertreten. Jeder trägt stolz seine Nationalfarben und seine zugehörige Flagge. Aller Ehrgeiz und Wettkampf ist dann vergessen. Alle sehen gemeinsam auf zu einer anderen, gemeinsamen Flagge, der Olympiaflagge. In diesem Moment ist es den Sportlern doch scheißegal wer woher kommt. Sie sind alle eins, gemeinsam in dem Gefühl dabei gewesen zu sein. Bei einem friedlichen Sportfest.
Ist das patriotisch? Nein. Sport verbindet.

Und auch die Fußball EM wird wieder Menschen verbinden. Ich gehe jede Wette ein, dass Deutsche und Flüchtlinge gemeinsam in Kneipen sitzen werden und Fußball kucken, eingehüllt in einer Deutschlandfahne. Der Deutsche ist stolz auf Schweini und Poldi, der Flüchtling ist froh, dass er hier endlich in Freiheit und ohne Angst ein Fußballspiel genießen kann.

Und mal ehrlich: Die paar Blödmänner, die die Fußballlaune nutzen, um Fremdenfeindlichkeit zu schüren, die wissen doch nicht mal wie man „Patriotismus“ schreibt.

In diesem Sinne, zeigt Eure Flaggen!

#proudtobehandballer

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Handball EM 2016 in Polen. Wie immer bei großen Sportereignissen hoffe ich auf faire Wettkämpfe, spannende Spiele und gute Unterhaltung.
Doch DAS ist Sport schon lange nicht mehr.
Der Aufreger: Eine Regenbogenarmbinde. Getragen vom schwedischen Kapitän Tobias Karlsson. Sein Beitrag zur Bekämpfung von Homophobie. Unter dem Vorwand der Kleiderordnung (Kapitänsbinden müssen einfarbig sein oder in Landesfarben) hat die Europäische Handballföderation ihm nun das Tragen dieser Armbinde verboten.

Und schon ist es bei dieser Handball EM in Polen wie immer mit dem großen Sport. Er darf benutzt werden und Instrument sein für die Politik. Aber die Sportlerinnen und Sportler selbst dürfen kein politisches Statement abgeben.

Paradebeispiel für eine Instrumentalisierung des Sports dürften wohl die olympischen Spiele 1936 in Berlin gewesen sein. Hier waren sogar Armbinden erlaubt. Wenn auch mit einer etwas anderen Symbolik …..
1976. Afrikanische Länder boykottieren die Teilnahme an den olympischen Spielen in Montreal, weil Neuseeland gegen den Apartheid-Staat Südafrika Rugby gespeilt hat.
1980. Westliche Staaten boykottieren die olympischen Spiele in Moskau, weil der Sozialismus so unendlich böse ist …

Das sind nur einige Beispiele. Und in den wenigsten Fällen wurden die Sportler vorher gefragt. Sie mussten einfach hinnehmen was ihre Sportverbände und Politiker festgelegt haben.
Offiziell haben bei den olympischen Spielen alle Sportler sicherlich freiwillig und aus Überzeugung auf ihre Teilnahme in Montreal oder Moskau verzichtet. Es leuchtet schnell ein, dass ein Sportler, der sich Jahre auf dieses Ereignis vorbereitet und unter größten Bemühungen sich dafür qualifiziert hat, gerne auf den Wettkampf seines Lebens verzichtet.
Wer das glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

Wenn es den Sportfunktionären so wichtig ist, politische Zeichen zu setzen, warum dann keine Regenbogenarmbinde für einen Mannschaftskapitän bei einer Handball EM in einem (EU!) Land, in dem schwul sein strafbar ist?
Wiebitte?!? Ach …. stimmt … klar….. Ich hab ja die Gefahr von fehlenden Werbeeinnahmen ganz vergessen. Nein, natürlich, sowas darf unter keinen Umständen passieren. Das muss der engagierte Handballnationalspieler verstehen, dass DAS nicht geht.

Sport verbindet Menschen, egal welcher Herkunft oder Meinung sie sind. Die sind den Spielern auf dem Feld nämlich egal. Was ihnen aber nicht egal ist, dass ihre Gastgeber Menschen wegen ihrer sexuellen Vorlieben verfolgen, oder ihre Medien zensieren. Und dazu darf und muss man als emanzipierter EU-Bürger wohl seine Meinung öffentlich äußern.

Eines vergessen sowohl Sportfunktionäre als auch Politiker: Großartige Sportler sind auch immer großartige Vorbilder. Und das nicht nur mit ihren sportlichen Leistungen. Kinder und Jugendliche aller Nationen und Herkunft schauen zu ihren Sportidolen auf und könnten in diesen Tagen lernen, dass Diskriminierung von Menschen und Zensur der Medien einfach scheiße ist.

Ich wünsche mir, dass alle Handballer dieser EM #proudtobehandballer sind und geschlossen mit Regenbogenarmbinden auflaufen. Und wenn das polnische Staatsfernsehen die Übertragung abschaltet …. bitte. Aber das Zeichen wäre eindeutig.

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