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Hausmusik

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Ich sitz im Zimmer, lese Goethe.
Nebenan spielt jemand Flöte.
Und direkt gleich über mir
spielt einer schlecht auf dem Klavier.
Draußen auf dem Gang
hör ich schiefen Altgesang.
Unter mir, ich wette,
pustet man die Klarinette.
Im Nachbarhaus spielt man Trompete.
Meiers ham Geburtstagsfete.
Im fünften Stock zupft man die Harfe
und singt die Kinder in den Schlafe.
Von der Straße tönt eine Geige.
Dem Geiger geht das Geld zuneige.

Hinten vor den Speisekammern
hör ich meine Katze jammern.
Und auch zu dieser Stunde
Jaulen draußen noch die Hunde …

Shantychor

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Wochenende. Meine Kur hat zwei Tage Pause. Sankt Peter Ording ist am Anfang des Jahres eher ruhig. Doch die ersten Sonnenstrahlen in diesen Tagen haben einige Menschen in Richtung Strand gelockt. Das ist auch mein Ziel. Auf dem Weg zur Brücke, die zum Strand führt, liegt das Dünen-Hus. DER Veranstaltungsort für Kulturelles hier im Ort. Heute steht der örtliche Shantychor „Die Strandräuber“ auf dem Programm. Ich bin neugierig und ändere meinen Plan von Strand auf Kultur.

Die Zuschauerreihen sind dicht gefüllt. Ich nehme auf einer der äußeren Bänke vor der Außenbühne platz. Herrliches Wetter, nur etwas frischer Wind. Die Shantychorknaben haben sich in den vorderen Bankreihen versammelt. Durchweg Herren im Rentenalter. Weiße Hemden, schwarze Hosen, rote Halstücher, Seemannshüte. Einige rauchen Pfeife, andere genießen die Sonne, andere wiederum erzählen sich den neuesten Dorfschnack. Von Aufregung oder Lampenfieber keine Spur. Noch fünf Minuten bis zum Auftritt. Von rechts kommt jemand auf dem Fahrrad gemütlich angeradelt. Aus dem Pulk der Sänger ruft einer „Mensch Hein! Du? schon hier? Wir beginnen doch erst in fünf Minuten“, der bereits anwesende Teil vom Chor lacht lauthals und klopft sich auf die Schenkel. Hein macht ein Pokerface.

Plötzlich knattert von links ein Zweitakt-Dreirad vor die Bühne. Es wird von einem schnieken Typ um die 40 in Maßanzug gefahren, auf dem Beifahrersitz eine lächelnde Blondie mit einem Tablett Pinnchen und eine Flasche Korn in der Hand. Ich reime mir aus dem Gemurmel links und rechts von mir zusammen, dass es sich um den Besitzer des angrenzenden Spa Hotels handelt. „Ihr glaubt doch nicht, dass ihr anfangen könnt ohne, dass ich ne Runde Korn ausgegeben habe!“. Es scheint nicht zum ersten Mal so zu sein. Die Pinnchen werden gefüllt und verteilt. Dann heben alle das Glas, ein Ton wird angestimmt.
Das amtlich festgelegte Trinklied erschallt:

„Da wo man Koooorn trinkt, und ein Lieieieiedchen singt,
da isses schööööööhön auf der Welt!
Da wo man nach Hause kommt, und die Alte brommt,
da isses nich schööööhön auf der Welt!“

Dann Kopp im Nacken und weg mit dem Zeug! Der Anzugtyp und die Blondiene teilen den Rest aus der Flasche unter sich auf und knattern davon, während der Chor in einer Tür verschwindet und kurz darauf auf der Bühne erscheint. Der Chor etwas weiter hinten, vorne in der Mitte der Bambustrommeltrommler, rechts einer mit Akkordeon, links der Bassist.

Der Bassist ist ein Bassist wie er im Buche steht. Auch wenn es sich um einen Shantychor und nicht um eine Rockband handelt, der Bassist erfüllt jedes ihm zugedachte Klischee. Absolut ohne Mimik steht er stumpf und überwiegend bewegungslos in der Ecke und zupft seinen Bass. Seine Ähnlichkeit mit der Schauspielerin Brigitte Mira verblüfft mich. Brigitte Mira in männlich.

Der Akkordeonmann ist der Chef der Truppe. Er kündigt die einzelnen Lieder an und erzählt zwischendurch Anekdoten und Seemannsgarn. Ich muss ein paar mal herzlichst lachen. Fast jedes Lied hat an irgendeiner Stelle einen Solopart, der jeweils von einem anderen Chormitglied bestritten wird. Der Akkordeonmann stellt die Solisten vor dem Lied vor, und lässt es sich dabei nicht nehmen in charmanter, lustiger Art und in friesisch breiter Mundart eine körperliche oder charakterliche Eigenschaft des entsprechenden Solisten hervorzuheben. So z.B. bei Klaus:

„Sooo. Un das nääächste Lied, da kommt der Klaus nach vorn und singt een Solo. Nur damit sie sich nich wundern, der Klaus steht nich in einem Loch, der is wirklich so klein.“

Eine gute Stunde geht das so und es kommt gut an beim bunt gemischten Publikum. Ich stehe zwar nicht so sehr auf Shanty, aber die Anekdoten und die Stimmung tragen mich durch eine sehr amüsante Stunde. Die Typen sind einfach nur sympathisch und sie haben Spaß an dem was sie tun.

Anschließend setze ich meinen ursprünglichen Plan fort und mache einen ausgedehnten Spaziergang am Strand. Die Seeluft tut gut. Manch ein Shantyliedchen hat sich als Ohrwurm bei mir festgesetzt.
Ich atme tief ein und denke mir: Nicht nur da wo man Korn trinkt und ein Liedchen singt, isses schön auf der Welt. Sondern auch dort wo einem bei Sonnenschein die salzige Seeluft um die Nase weht.

Aus eins mach zwei

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„Wie Du willst da nur hin zum kucken? Dann kannze auch gleich mitmachen.“
So der Kommentar der Chefin. Eigentlich wollte ich mir mal vorher nen Triathlon nur ankucken bevor ich da selbst mit an den Start gehe. Und da findet im Juli halt einer direkt vor meiner Haustür statt. Naja was solls, dachte ich, die Meldeliste ist eh schon fast voll. Mal sehen ob ich da überhaupt noch zum Zug komme. Und so schickte ich den Anmeldebogen ab.

Und nun? Tja jetzt habe ich einen der letzten Plätze ergattert, stehe auf der Meldeliste, und damit verschiebt sich mein erster Triathlon um knackige fünf Wochen nach vorne. Und aus einem Triathlon in diesem Jahr wurden zwei, denn die andere Anmeldung nehme ich selbstverständlich nicht zurück.

Zwitscher-Highlights im Januar und Februar 2017

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Von einem Ort, an dem jeder sein darf was er will

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Ich bin spät dran. In etwa 30 Minuten macht der Laden zu. Als ich dort eintrete ist davon aber nicht viel zu merken. So ungefähr habe ich mir immer den Trubel in einem Konsum in der DDR vorgestellt wenn es dort Südfrüchte gab. Ich überlege kurz wieder zu gehen. Nein. Da muss ich jetzt durch.

Karneval ist ja nie so mein Ding gewesen. Auf Knopfdruck fröhlich sein, und dann in Verkleidung Bier trinken. Obwohl …. Biertrinken kann ich eigentlich ….
Seit mich der Dienstherr vor über fünf Jahren an den Standort Aachen versetzt hat, komme ich um das Thema Karneval nicht mehr so ganz herum. Zumal in unserer Kaserne an Weiberfastnacht jedes Jahr eine fast schon legendäre Party stattfindet, bei der man streng genommen nicht fehlen darf. Als ich im ersten Jahr dort hin gegangen bin, ging ich ohne Kostüm. Sozusagen aus Protest. Zu meinem Erstaunen war die Veranstaltung toll und so etwas fröhliches und harmonisches habe ich selten erlebt. Es war einfach eine tolle Party, nur eben in Verkleidung. Und im Jahr darauf hatte ich immerhin schon ein T-Shirt an, das mit dem Aufdruck „Das ist meine Verkleidung“ versehen war.
In diesem Jahr sollte es soweit sein: Zum ersten mal ein richtiges Kostüm. Als Thema hatten wir uns innerhalb einer kleinen Partygemeinschaft auf Rockabilly verständigt. Mein Vorschlag doch als Gemeinschaftskostüm Bierkasten zu gehen konnte sich nicht durchsetzen.
Über einen Onlinehändler meines Vertrauens hatte ich bereits eine passende Montur samt Perücke zur Hand. Als ich das Kostüm dann mit mir vor dem Spiegel betrachtete, sagte ich zu mir: „Das fetzt eigentlich nur richtig, wenn wallendes Brusthaar aus dem Hemd kuckt.“ Nur leider oder gottseidank bin ich damit nicht sehr reich gesegnet. Drei Haare auf der Brust machen eben doch keinen Bär.

Auf der Suche nach künstlichem Brusthaar bin ich nun in diesem Karneval-Superstore gelandet. Aus kreischenden Lautsprechern dröhnen die Karnevalshits der aktuellen Session. Ich versuche es zunächst in der Abteilung Perücken. Daneben das Regal mit Strumpfhosen. Zwei Damen erörtern gerade in welcher Strumpfhose „et Fett“ wohl am wenigsten friert. Als ich über das Perückenregal hinweg schaue sehe ich Catwoman. Ich habe diesen Film zwar nie gesehen, bin mir aber sehr sicher, dass Catwomen garantiert nicht so einen ausladenden Hintern hat. Catwoman ist mit ihrem Nachwuchs hier, der sich offensichtlich nicht zwischen Super- und Spiderman entscheiden kann.
Bei den Perücken gibt es jedenfalls kein Brusthaar. Ich suche nach einer Verkäuferin. In der Plüschabteilung zwängt sich ein Bär gerade in ein Hasenkostüm und meint „ey wennisch da kacken muss, bis isch dat wieder ussjezogen hab, da isses zu spääät…“.
Dann finde ich eine Verkäuferin. Überraschender Weise ist sie nicht verkleidet. „Ich suche ein Brusthaartoupet. Haben sie sowas?“, brülle ich gegen die Karnevalsmucke an. Die Dame mustert mich von oben bis unten und zurück. „Reischt et nisch wat ihnen die Natur zur Verfühjung jeställt hat?“ Sie grinst schelmisch. Ich nicht. „Naja, versuchen se et mal bei die Bärte.“
Auf dem Weg zu den Bärten komme ich an einem Piraten mit Papagei auf der Schulter vorbei, der gerade vor einem Spiegel verschiedene Augenklappen und Enterhaken an sich testet.
An Bartformen und –farben mangelt es nicht. Und nach etwas Wühlen finde ich sogar das wonach ich suche. Ich bin entzückt, ertappe mich sogar wie ich auf dem Weg zur Kasse etwas im Takt der Karnevalsmucke mitwippe. In der Warteschlange blicke ich nochmal zurück. Catwoman hat sich leider nicht für eine Nummer größer entschieden, dafür ist der kleine Junge jetzt ein Ninja Turtle. Der Bär aus dem Hasenkostüm steckt jetzt in einem Polizistenoutfit mit Plüsch-Handschellen in der Hand. Die beiden aus der Strumpfhosen-Abteilung haben sich für etwas weiß-lila gestreiftes entschieden und stehen nun vor mir an der Kasse.

Auf dem Weg zum Auto komme ich ins Grübeln. Eigentlich ist es doch schön, dass man wenigstens einmal im Jahr sein kann, wer man gern sein möchte. Dass man sich einmal im Jahr ganz legitim hinter einer Maske verstecken kann. Wie viele Menschen sich wohl im Alltag hinter einer Maske verstecken, ohne dass wir es merken. Wie gerne man manchmal jemand anderes wär. Und eine Uniform, die man im Dienst trägt hat auch etwas von Verkleidung. … Egal. Ich bin wie ich bin und habe jetzt ein Brusthaartoupet.

Mein Brusthaartoupet war übrigens der Renner auf der Party.

Entschluss

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Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, aber tatsächlich sind es grade mal zehn Minuten. Zehn Minuten, die ich schnaufe wie eine alte Dampflok aus einem Museum. Und dabei laufe ich nicht mal. Eigentlich „walke“ ich nur. So nordisch, wie man das neuerdings so macht.

Ich hatte mich beim Nordic Walking angemeldet, weil ich wusste, dass meine Kondition nicht die beste ist. Und die Ärztin im Aufnahmegespräch, mit dem die Kur hier an der Nordsee begann, ließ mir freundlicherweise die Wahl, welche Bewegungsart ich an der frischen Luft bevorzuge. Und da dachte ich Nordic Walking ist vielleicht das kleinste Übel.

Naja, wieder was gelernt. In diesem Fall: Nordic Walking ist scheiße anstrengend, wenn man es richtig macht, also nicht so wie Spazierengehen mit Stöcken, wie die Omas, die ich letztens daheim im Park so gesehen habe.

Jedenfalls schnaufe ich nun mit Stöcken um mich wirbelnd einer Bewegungstherapeutin hinterher, die vermutlich extra für mich drei bis sieben Gänge runtergeschaltet hat. Mir ist es fast schon etwas peinlich, dass ich so schlecht beieinander bin. Aber eigentlich bin ich ja auch genau deswegen hier in dieser Kurmaßnahme. Könnte ich mir denken. Tue ich aber nicht. Stattdessen wurmt es mich, dass die Therapeutin vor mir, also inzwischen sehr weit vor mir, schwanger ist. Und das nicht erst seit vier Wochen. Die Pocke, die sie vor sich herschiebt, ist schon etwas größer. Meine Kondition war wirklich schlecht in diesen Tagen.

Das war vor etwa 9 Monaten.

Wie auch immer. Ich überlebte diesen Nordic Walking Kram und auch diese Kur. Nach der Kur hatte ich irgendwie wieder sehr viel Spaß an Bewegung an frischer Luft. Gottseidank. Im Nachhinein das Beste, das ich von dieser Kur mit nach Hause gebracht habe. Und so gehe ich seit etwa einem dreiviertel Jahr wieder regelmäßig joggen. Zwei bis dreimal die Woche und bei wesentlich besserer Kondition inzwischen. Ab und an gehe ich sogar Schwimmen. Und dann fiel mir letztens noch auf, dass ich ja noch ein Fahrrad besitze, das man auch mal wieder benutzen könnte.

Und so kam eins zum anderen. Ich habe viele Freunde, die inzwischen einen Marathon gelaufen sind. Sei es aus der Midlifecrisis heraus oder einfach nur, weil sie es können. Ich habe das immer bewundert. Nicht, dass sie 42 Km am Stück durchgelaufen sind, sondern dass sie ein Ziel gesetzt und dieses auch verfolgt hatten. Das fand ich schon immer irgendwie bewundernswert und wollte mir auch immer schon selbst solch ein Ziel stecken. Aber bei aller Liebe, einen Marathon? 42 Km laufen finde ich ehrlich gesagt dann doch etwas langweilig. Aber wenn man die Strecke etwas unterhaltsamer und abwechslungsreicher gestalten könnte, vielleicht mit anderen Disziplinen …. und so reifte in mir der absurde Entschluss: Ich mach nen Triathlon.

Als ich meiner lieben Frau, der Chefin, diesen Entschluss offenbarte schaute sie mich in etwa so an als ob ich sowas glaubwürdiges wie „Den Keller, den räume ich nächstes Wochenende bestimmt mal auf!“ gesagt hätte.
Es klingt ja auch wirklich absurd. So unsportlich wie ich die letzten Jahre war, und dann gleich ein Triathlon. Ich habe da lange drüber nachgedacht, aber letztendlich: Ich habe Spaß an Bewegung, ich möchte irgendwie mal diese Wettkampfstimmung erleben, und ich möchte auch mal wieder meine Grenzen erfahren. Und ein bisschen bekloppt war ich immer schon.

Und letzte Woche habe ich es getan. Im Internet ein Anmeldeformular ausgefüllt und den „Senden“-Button geklickt. Denn kneifen gilt nicht. Und wenn man sich selbst nicht beim Wort nimmt, dann wird das nie was. Heute wurde die Anmeldung bestätigt. Im August ist es soweit: Ich bestreite meinen ersten Triathlon. Einen Volkstriathlon. Nix wildes, aber ein Ziel. 500 Meter Schwimmen, 23 Km Radfahren und 5 Km Laufen.

Über den Weg dahin werde ich hier weiter berichten.

Von der Kasse nach Schottland

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Es ist nicht so, dass ich ungern einkaufen gehe. Aber es steht auf meiner „Macht-mir-Freude-Liste“ auch nicht gerade auf Platz eins. Sagen wir es ist ein notwendiges Übel, das ich akzeptiere. Daher mache ich mir vor dem Einkauf eine generalstabsmäßig geplante Einkaufsliste, die ich dann im Supermarkt schnell und zügig abarbeite, ohne mich von den umfangreich gestellten Präsentationsfallen, die sich findige Einkaufswissenschaftler und Marketingleute ausgedacht haben, überlisten zu lassen.

Heute lief der Einkaufsprozess inklusive Auflegen der Waren auf das Kassenband absolut reibungslos. Bis hierher. Aber dann folgten die Prozesse „Waren scannen“ durch die Kassiererin und „Waren sortiert in den Einkaufswagen zurücklegen“ durch mich.

Bisher habe ich Kassiererinnen in zwei Typen aufgeteilt.

Die Turbokasiererin: Die Waren fliegen nur so über den Scanner. Ohne Rücksicht auf Verluste wird das bereits gescannte Warensortiment über die Theke gedrückt, egal ob der Kunde mit dem Einpacken hinterher kommt oder nicht. Egal ob der Joghurtbecher zerplatzt oder nicht. Ich nehme diese Herausforderung immer gerne an, denn es kommt meiner auf Zügigkeit angelegten Einkaufsstrategie entgegen.

Die Zeitlupenkassiererin: Sie hat grundsätzlich Zeit. Das Scannen der Waren geht zeitweise so langsam voran, dass man sich zwischendurch ohne Probleme noch rasieren und anschließend seine Maniküre erledigen kann. Böse Blicke und laute Seufzer bringen sie keinesfalls aus der Ruhe, verlangsamen eher noch das Tempo, auch wenn sich die Schlange an der Kasse bereits bis zur Käsetheke im rückwärtigen Bereich schlängelt.

Heute habe ich einen dritten Typ entdeckt: Die Schwatztante.

Sie scannt die ersten zwei Teile *piep* *piep*, plötzlich taucht neben ihr auf der anderen Seite der Kasse aus dem Nichts eine weitere Frau, eine Schwatztantenkollegin auf.
Das Warenband stoppt.

„Ach Du bisset. Schönen Feierabend, woll!“
„Näää, nix Feierabend. Urlaub! Wollte noch schnell Tschüsskes sagen.“

Ganz abwesend schiebt Schwatztante 1 deutlich verlangsamt das nächste Teil über den Kassenscanner *piep* das Waschmittel wandert in meinen Einkaufswagen.

Stillstand.

„Näää, woll!?! DU hasses gut! Und ich sitz hier und muss malloooochen!“
„Komm hör auf! Du bis doch letzte Woche ers vonne Nordsee zurück!“
„Ja, abba da war et Wetter schlecht, woll. Dat gilt nich.“

*piep*der Käse wandert in meinen Einkaufswagen.

Stillstand.
Und ich frage mich ob aus dem jungen Gouda heute noch ein mittelalter wird …

„Hömma, wo geht et denn hin? Nimmse Deinen neuen Lover mit?“
*grinst angeberisch* „Et geht nach Schottland. Und nix Camping, er hat en ganz schniekes Hotel gebucht“
„Näääää!“
„Doch! Da inne Hauptstadt von denen! Eddingburg, oder wie dat heißt.“
„Näääää!“
*breites Grinsen*

Ich denke, wenn die noch breiter grinst, fällt ihr der Kopf vom Hals. „Edinburgh. E.D.I.N.B.U.R.G.H, so heißt die Stadt, EDDING ist der dicke Filzstift.“, höre ich mich sagen, doch mein Einwand wird ignoriert.

„Hömma, schickse aber zwischendurch ma schöne Fottos, woll. Hat die Giesela vonne Malediven auch gemacht. Dann hammwa inne Pause wat zu kucken, woll.“

*piep* Das Lachsfilet.
Gedanklich philosophiere ich darüber wie lange seine Kühlkette ohne merklichen Qualitätsverlust wohl unterbrochen werden darf.

Anschließend tauschen die beiden gefühlt die Urlaubserlebnisse der letzten 20 Jahre aus. Wo man am besten einen Flug bucht, wie man wo welche Lebensmittel in anderen Ländern besser nicht essen sollte, inklusive detaillierten Beschreibungen darüber was passiert wenn man diese Regel missachtet …. Formen, Farben…. ALLES.

*piep* Eine Packung Schokolade.
*piep* Ein Joghurtbecher.

Stillstand.

Es folgt eine rege Diskussion über Wettervorhersagen in Schottland und ob Linksverkehr für eine mittelbegabte Kassiererin aus dem Ruhrgebiet eine lösbare Aufgabe ist.

Nach einer gefühlten Stunde schweife ich gerade mit meinen Gedanken fern ab in eigenen Urlaubserinnerungen, als es mich plötzlich von schräg vorne anbellt:

„HAAAAALLO! Hundertvier Fuffzich macht dat! Hammse Päh-bäck?“

„Äh … nein. Kein Payback.“

Ich nehme mein Wechselgeld entgegen und schiebe mein Einkaufswägelchen in Richtung Ausgang.

„Edinburgh….“, murmel ich in mich hinein, „da könnte ich eigentlich auch mal hin.“

@GJ_RLP Warum ich gerne Flagge zeige

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Liebe Grüne Jugend in Rheinland-Pfalz,

nach diesem Shitstorm über Euch habe ich lange überlegt, ob ich auch noch meinen Senf dazugeben soll. Aber weil mir diese Flagge, die Ihr runter nehmen wollt, sehr viel bedeutet, kann ich an dieser Stelle doch nicht meinen Mund halten.

Ihr schreibt auf Eurer Facebookseite:

„Nationalismus ist eine Form von Patriotismus. Wer sich als patriotisch definiert, grenzt Andere aus. Die Wirkung von Patriotismus hat immerzu Konsequenzen und wird besonders dort deutlich, wo er sich als aggressive Form darstellt und das Andere als Feind stigmatisiert. Zur Fußballeuropameisterschaft fordern wir alle Fans dazu auf, nationalistischem Gedankengut keinen Raum zu lassen! Fußballfans Fahnen runter!“

Später begründet Ihr das noch damit, dass es nachweislich aufgrund von sogenanntem „Partypatriotismus“ signifikant mehr fremdenfeindliche Übergriffe gibt als sonst. Ich kann weder diese Aussage noch das Gegenteil beweisen, ich glaube Euch das einfach mal. Und ich unterstelle Euch, dass Euer Post auf Facebook durchaus in guter Absicht online ging.
Aber irgendwie habt Ihr das nicht ganz zu ende gedacht.

Wie zu Beginn schon erwähnt, verbinde ich mit unserer Nationalflagge etwas mehr als nur Fußball. Vor etwa Zwanzig Jahren habe ich unter einer solchen Flagge mit erhobener rechter Hand gestanden und einen Eid abgelegt. Ich habe damals geschworen meinem Land treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Sogar die religiöse Beteuerungsformel „So wahr mit Gott helfe“ habe ich damals mitgesprochen (Was ich heute allerdings nicht mehr machen würde. Aber das ist eine andere Geschichte).
Das hört sich tatsächlich sehr patriotisch an. Angefühlt hat es sich damals irgendwie anders. Was es im wirklichen Leben als Soldat bedeutet habe ich erst sehr viel später erfahren.

Seit diesem Eid gehe ich nun jeden Morgen unter einer Flagge vorbei zum Dienst und trage dieses Symbol als Hoheitsabzeichen jeden Tag auf meiner Uniform. Und ich trage dieses Symbol mit Stolz. Ich trage es deshalb mit Stolz, weil es für ein Land steht, in dem ich das große Glück hatte, geboren zu werden. Weil es in diesem Land eine Demokratie gibt, die Beispielgebend ist. In dieser Demokratie konnte ich in Freiheit aufwachsen, konnte und kann immer noch frei meine Meinung äußern, so wie jetzt, so wie Ihr auf Eurer Facebookseite. Dieses Land hat mir Toleranz, Rücksicht und Offenheit beigebracht. Darauf bin ich stolz. Und diese Demokratie hält sehr viel aus, sogar die AfD und die derzeit populäre braune Stimmung wird sie überleben. Da bin ich mir Sicher. All das verbinde ich mit Schwarz-Rot-Gold.

Ich habe diese Flagge sogar bereits in einem Auslandseinsatz getragen. Einen Einsatz, den Eure grüne Partei damals selbst mit abgesegnet hat. Ich habe erlebt, wie sich afghanische Kinder gefreut haben wenn eine deutsche Flagge auf dem Fahrzeug war, weil sie daran die Soldaten erkannten, die sie mochten. Diese Kinder haben mit dieser Flagge etwas Positives verbunden.
Ich habe diese Flagge auch getauscht. Gegen andere Flaggen und Abzeichen mit Kameraden aus anderen Nationen. In einem multinationalen Einsatzstab ist das an der Tagesordnung. Mein Chef war ein Niederländer. Meine Team-Kameraden kamen aus Estland und Italien. Meinen Unterkunftscontainer habe ich mir mit einem Offizier aus Südkorea geteilt. Jeder war stolz auf seine Nation und auf die eigene Flagge und die eigenen Hoheitsabzeichen. Wir haben uns gegenseitig von den Schönheiten unseres Landes erzählt, haben uns aber auch gegenseitig neugierig zugehört was der jeweils andere zu berichten hatte. Wir haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede feststellen können. Was man bei dem Einen gut fand, fand man bei dem Anderen vielleicht schlecht. Aber unterm Strich blieb am Ende des Tages immer die Feststellung: Wir gehören zusammen. Wäre das ohne Patriotismus möglich gewesen? Meiner Ansicht nach nicht. In diesem Fall hat der Patriotismus niemanden ausgegrenzt. Eher im Gegenteil, er hat uns zusammengebracht.

Ich kenne auch Momente, in denen der Anblick unserer Flagge Wut, Angst und Traurigkeit auslöst. Nämlich dann, wenn sie über einen Sarg gelegt wird.

Nun sagt Ihr sicher: „Da lest was er schreibt! Er ist ja wohl voll der Patriot!“
Ja. Bin ich. Mit meinem Patriotismus verbinde ich aber weniger meine nationale Zugehörigkeit. Für mich bedeutet Patriotismus meine Verankerung in den Grund- und Menschenrechten. Ich definiere mich als patriotisch, weil ich mich klar zur Menschenwürde und zu unserem Rechtsstaat bekenne. Dafür habe ich meinen Eid abgelegt. Das bedeutet für mich Schwarz-Rot-Gold.

Patriotismus ist nicht immer gleich Nationalismus. In dem Punkt liegt Ihr mit Eurer Aussage falsch.

Aber eigentlich ging es doch um Sport, bzw. Fußball. Seit jeher treten alle Nationen auf der Welt in Sportwettkämpfen gegeneinander an. Friedlich. Ohne Gewalt. Im fairen Wettkampf misst man sich und schaut wer der Bessere ist. Natürlich ist ein Sportler enttäuscht wenn er verliert und der andere gewinnt. Aber am Ende gibt man sich die Hand oder liegt sich in den Armen. Ist das patriotisch?

Am Ende dieser großen Sportereignisse sehe ich mir immer gerne die Abschlussveranstaltung an. Zum Beispiel bei den Olympischen Spielen. Alle Nationen sind dort vertreten. Jeder trägt stolz seine Nationalfarben und seine zugehörige Flagge. Aller Ehrgeiz und Wettkampf ist dann vergessen. Alle sehen gemeinsam auf zu einer anderen, gemeinsamen Flagge, der Olympiaflagge. In diesem Moment ist es den Sportlern doch scheißegal wer woher kommt. Sie sind alle eins, gemeinsam in dem Gefühl dabei gewesen zu sein. Bei einem friedlichen Sportfest.
Ist das patriotisch? Nein. Sport verbindet.

Und auch die Fußball EM wird wieder Menschen verbinden. Ich gehe jede Wette ein, dass Deutsche und Flüchtlinge gemeinsam in Kneipen sitzen werden und Fußball kucken, eingehüllt in einer Deutschlandfahne. Der Deutsche ist stolz auf Schweini und Poldi, der Flüchtling ist froh, dass er hier endlich in Freiheit und ohne Angst ein Fußballspiel genießen kann.

Und mal ehrlich: Die paar Blödmänner, die die Fußballlaune nutzen, um Fremdenfeindlichkeit zu schüren, die wissen doch nicht mal wie man „Patriotismus“ schreibt.

In diesem Sinne, zeigt Eure Flaggen!

Von Löchern, Zement und dicken Backen

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Heut morgen stand ich auf „ohh Kacke!“,
bemerkt´ich meine dicke Backe.
Schmerzverzerrt vorm Spiegel „Och!
Im Backenzahn is ja ein Loch!“
So kam´s, dass, wenn auch nur
ungern, ich zum Zahnarzt fuhr.

Die Helferin meint: „Da schaumamal,
zuerst mal in den Wartesaal!“
Dort saßen sie alle, dicht an dicht.
Ängstliche Gestalten mit bleichem Gesicht.

„Herr Stör bitte Zimmer zehn!“
Na, dann woll´n wir doch mal seh´n…

Jetzt sitze ich auf einem Stuhl und
öffne Dr. Best den Mund.
Der kratzt hier und klopft mal dort,
sagt: „Der Zahnstein, der muss fort.
Der siebener ist recht porös,
der Zahn daneben kariös.
Das Loch dort kitten wir noch zu.
Dann hamm se erst mal wieder ruh.“

Gesagt, getan, schon greift der Mann
zur Spritze und zum Bohrer dann.
Es jault und rumpelt und macht krach.
Nein! So ein Bohrer gibt nicht nach!
Er prockelt, bohrt, welch eine Plage.
Auf seiner Stirn tritt Schweiß zu Tage.

Endlich! Ja! Der Bohrer verstummt.
Ich hör schon wie der Mischer brummt.
Mit Zement füllt Dr. Best das Loch,
und zum Schluss bemerkt er noch:
„Hat mich gefreut, sie können jetzt gehn.
Bis zum nächsten mal! Auf Wiedersehn!“

Na, hoffentlich nicht.

Zwitscher-Highlights im Februar 2016

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Liebe Leserinnen und Leser,
es folgen meine Zwitscher-Highlights aus dem Februar. Wenn Sie denken, dass ich ein Groupie von Renate Bergmann bin, dann könnten Sie richtig liegen …

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